Protokoll vom 29.07.2015

Hier mal der zusammengefasste Input von gestern rund um Web2.0 und Social Media plus so einiges, womit wir uns erst heute beschäftigen werden, Facebook nämlich.

Allgemeines rund um Web2.0 und Soziale Netzwerke

  • Das “Web2.0″ unterscheidet sich vom “alten Internet” (also dem vor 2004) primär dadurch, dass die Beziehung Produzent => Konsument so nicht länger besteht. Vielmehr kann jeder Internetnutzer heute spielend leicht auch Produzent sein. Hierzu sei noch einmal das Paradebeispiel Wikipedia genannt, an dem jeder (!) ohne Anmeldung (!) mitarbeiten kann.
  • Soziale Netzwerke sind immer auch Web2.0-Dienste, denn ohne Beteiligung der Nutzer*innen funktionieren sie nicht. Stichwort ist hier der “user generated content”, als der “von Nutzern erstellte Inhalt”. Dazu zählt alles, was Nutzer z.B. in facebook veröffentlichen, über Blogs von sich preis geben, an Bilder bei instagram veröffentlichen und so weiter.
  • Strukturell funktionieren die meisten Social Networks ähnlich. Sie alle bieten ein Repertoire an Funktionen wie “Teilen”, “Bewerten” (gefällt mir, Favorisieren …), “Kommentieren” und “Melden” (für problematische Inhalte gedacht).
  • Soziale Netzwerke sind gut für schnelle Informationsvermittlung und direkte Kommunikation zu Kunden geeignet. Sie sind allerdings gänzlich ungeeignet, wenn es darum geht, Informationen für lange Zeit gut zugänglich an einem festen Ort vorzuhalten. Hierzu sind (statische) Websites, Blogs oder Foren viel sinnvoller.
  • Soziale Netzwerke benötigen Informationen über ihre Nutzer, um Geld zu verdienen. Facebook verdient Geld mit Werbung, die es den Nutzern anzeigt. Je mehr facebook über mich weiß, desto zielgenauer kann es mir Werbung anzeigen. Werbekunden bezahlen facebook dafür, ihre Werbung genau den Nutzern anzuzeigen, die als Zielgruppe passen. Daher sind facebook, Twitter & Co. daran interessiert, dass ihre Nutzer möglichst viel von sich preis geben, möglichst viel mit anderen Inhalten interagieren und möglichst viel aktiv sind.
  • Bei Facebook gibt es einen grundlegenden Unterschied zwischen “Profilen” (für einzelne, individuelle Personen) und “Seiten” (für Firmen, Künstler, Bands …). Inhalte auf “Seiten” sind immer öffentlich sichtbar, auch für Internetnutzer, die selbst nicht bei facebook sind (ich habe das anhand meiner Seite gezeigt). Wenn im Namen einer Firma kommuniziert wird, sollte immer eine “Seite” gewählt werden. Wer schonmal konkreter nachlesen will, findet hier mehr Infos dazu.
  • Bilderdienste wie instagram und pinterest erfreuen sich großer Beliebtheit. Sie sind spezialisiert auf das Tauschen oder Sammeln von Bildern und können das viel besser als z.B. facebook.
  • Twitter, instagram, facebook und eine Reihe anderer Dienste erlauben den Einsatz sog. “Hashtags”. Das sind Schlagworte, die durch das Schreiben eines Hash-Zeichens (#) erzeugt werden. Diese Schlagworte lassen sich dann anklicken und als Suchbegriffe verwenden. Hashtags ermöglichen es, sich zielgerichtet in Diskussionen einzumischen (Beispiel: #hartaberfair zur parallelen Diskussion, während die Sendung gerade läuft). Mehr Infos zu Hashtags gibt es hier.
  • Informationen über Menschen herauszufinden ist im Web2.0 recht einfach möglich. Ob es wie in meinem Fall eine Fülle von Dingen zu finden gibt (weil ich das ja auch so will), oder ob man versucht, im Netz möglichst unsichtbar zu sein – es gibt immer irgendwas zu finden. Spezielle Personensuchmaschinen wie yasni oder 123people machen es noch einfacher. Letztlich sind es auch nicht nur die Informationen, die direkt auf meinen Profilen zu finden sind, die etwas über mich aussagen. Vielmehr lässt sich auch über meine Kontakte zu anderen Nutzern viel darüber herausfinden, wie ich so drauf bin.
  • Alle Sozialen Netzwerke lassen sich untereinander und mit Websites, Blogs etc. verknüpfen. So kann ich (außer hier, denn die kostenfreie WordPress-Plattform erlaubt das nicht) z.B. meine Musik von Soundcloud einbetten.
  • Blogs (auch dieses hier) erlauben es generell, Inhalte anderer Netzwerke in Seitenspalten und so weiter einzubetten. Rechts am Rand befindet sich hier z.B. eine Ansicht meiner letzten instagram-Fotos.

Dieses facebook, wie funktioniert das eigentlich?

  • Profil/Chronik: Hier steht alles drauf, was der Nutzer über sich selbst preisgibt. Selbst erstellen Beiträge, Bilder, geteilte Inhalte und auch sonst fast alles landet auf meiner Chronik. Über die Privatsphäreeinstellungen kann ich festlegen, welche anderen Nutzer welche Inhalte auf meiner Chronik sehen dürfen. Sinnvollerweise sollten zumindest Freunde Zugang zu meinen Inhalten haben, sonst hat das eher wenig Sinn. Es kann auch festgelegt werden, ob mir Freunde oder andere Nutzer Dinge an meine persönliche Chronik schreiben dürfen, Geburtstagsgrüße zum Beispiel.
  • Newsfeed: Diesen erreicht man immer über das weiße “f” links oben. Der Newsfeed bildet Inhalte ab, die von meinen Freunden, von geliketen Seiten, aus meinen Gruppen oder von von mir genutzten Apps erstellt werden. Der Newsfeed ist also meine persönliche (!) Zusammenstellung von facebook-Inhalten. Der Newsfeed jedes Nutzers wird von facebook individuell zusammengestellt und z.B. mit passender Werbung angereichert.
  • Gruppe: In Gruppen können sich Nutzer gemeinsam unterhalten, thematisch diskutieren oder Terminabsprachen treffen. Hier ein ausführlicher Artikel, der sich mit der Nutzung von facebook-Gruppen beschäftigt. Gruppen können z.B. als “offen”, “geschlossen” oder “geheim” angelegt werden.
  • Seite: Eine Seite ist im Gegensatz zum Profil dazu gedacht, als Sprachrohr von Unternehmen, Künstlern, Parteien oder dergleichen zu funktionieren. Eine “Fanpage” oder “Firmenseite” sammelt “gefällt mir”-Klicks im Gegensatz zu Profilen, die ja “Freunde” haben. Inhalte von “Seiten” sind immer öffentlich sichtbar, d.h. auch für Internetnutzer, die selbst gar nicht bei facebook angemeldet sind. Inhalte auf “Seiten” können beworben werden, siehe Geschäftsmodell facebook = Werbung. Das Thema “Seiten” werden wir noch vertiefen, wenn wir eine solche selbst anlegen.

Hier noch ein Artikel zum Unterschied zwischen Profilen und Seiten.

“Seiten” in facebook, wofür genau sind die gut?

  • Jeder Nutzer von facebook kann Seiten anlegen. Und zwar beliebig viele.
  • Beim Anlegen einer Seite muss man festlegen, welcher Art die Seite sein soll (Unternehmen, Marke, Gemeinschaft usw.). Davon hängt u.a. ab, welche Inhaltsfelder zur Verfügung stehen, ob man Zugriff auf Statistiken hat und einiges mehr. Das ist leider recht intransparent und nur durch Experimentieren herauszufinden.
  • Es gibt detaillierte Regeln für den Betrieb von Seiten bei facebook, die man unbedingt vorher lesen sollte!
  • Seiten sind immer öffentlich sichtbar (mit Einschränkungsmöglichkeit nach Ländern)
  • Seiten können “nicht veröffentlicht” werden, dann sind sie nur für Admins sichtbar (sinnvoll, wenn man gerade dran bastelt)
  • Admins können andere Nutzer (Freunde oder Fans der Seite) ebenfalls zu Admins machen, hierbei stehen mehrere Ränge zur Auswahl.
  • Es kann für jede Seite festgelegt werden, ob Nutzer (egal ob Fans oder nicht) dort Postings schreiben oder Bilder und Videos veröffentlichen dürfen.
  • Kommentieren, Teilen und “gefällt mir” ist allen Besuchern der Seite *immer* möglich und kann auch nicht unterbunden werden.
  • Ausnahme: Nutzer können als Fans “entfernt” oder komplett “blockiert” werden. Im letzteren Fall können diese Ex-Fans nicht mehr auf Inhalte der Seite zugreifen und daher auch nicht mehr mit ihr interagieren.
  • Es können Filter für vulgäre Ausdrücke (von facebook verwaltet) und eigene Filter für bestimmte Begriffe eingerichtet werden. Verwendet ein Nutzer einen “verbotenen” Begriff, so wird der entsprechende Beitrag verborgen und der Admin informiert bzw. das Absenden des Inhalts ist gar nicht erst möglich.
  • Admins können Inhalte von Nutzern löschen
  • es gibt seit Neustem ein eigenes Impressum-Feld! Hallelujah! Preiset den Zuckerberg!
  • Admins einer Seite können auf zwei Arten auf der Seite veröffentlichen: Entweder sie besuchen die Seite als Nutzer und wählen dann oben “im Namen der Seite posten” oder sie wechseln komplett in die Haut der Seite (über das Zahnrad rechts oben).
  • Hat man zur Seite gewechselt, steht einem auch der Seiten-Newsfeed zur Verfügung. Dieser ist total sinnvoll, wenn man als Seite mit anderen Seiten interagieren möchte.
  • Über diesen Newsfeed können Seiten, genau wie Profile, eigene Netzwerke aufbauen, indem sie andere Seiten “liken”, kommentieren oder teilen. Dies ist sehr wichtig, sofern man eine Seite sinnvoll betreiben will und nicht nur als Blog in facebook ansieht. Über den Newsfeed können für jede Seite sehr konkret Informationen zu bestimmten Themen zusammengesammelt werden.
  • Seiten können, ebenso wie Profile eine “vanity URL”, als eine eigene Adresse haben (Beispiel: http://www.facebook.com/sozialvernetzer) Abhängig vom gewählten Seitentyp kann diese Adresse sofort, oder erst nach dem Erreichen einer bestimmten Fanzahl angelegt werden.

“Gruppen” in facebook, was machen die eigentlich so?

  • Gruppen können von jedem facebook-Nutzer angelegt werden. Dabei kann zwischen offenen, geschlossenen und geheimen Gruppen unterschieden werden.
  • Bei einer geheimen Gruppe muss der Gründer dieser Gruppe neue Mitglieder manuell hinzufügen. Die Gruppe ist ja für Nichtmitglieder unsichtbar, daher haben diese keine Möglichkeit, der Gruppe selbst beizutreten.
  • Der Gründer (der “Admin”) der Gruppe kann festlegen, ob Mitglieder Beiträge in der Gruppe schreiben dürfen, oder nur er selbst. Auch eine vorherige Freigabe von Beiträgen ist einstellbar.
  • Der Admin kann auch festlegen, ob von Mitgliedern der Gruppe hinzugefügte Mitglieder erst vom Admin freigeschaltet werden müssen.
  • Ein Gruppenadmin kann weitere Mitglieder der Gruppe ebenfalls zu Admins ernennen.
  • Inhalte in geschlossenen und geheimen Gruppen sind nur für Mitglieder dieser Gruppen sichtbar, selbst dann, wenn sie aus der Gruppe heraus geteilt werden.
  • Gruppen eignen sich gut für die Kommunikation in einem eingegrenzten Rahmen, wenn also nicht alle Freunde, sondern nur ein paar Personen (die nicht unbedingt Freunde sein müssen) angesprochen werden sollen
  • Es muss aber immer im Hinterkopf behalten werden, dass selbst geheime Gruppen natürlich von facebook-Mitarbeitern eingesehen werden können und dass die Daten letztlich auf Servern in den USA gespeichert werden
  • Gruppen in facebook sollten daher auf keinen Fall (!) für die Kommunikation über unternehmensinterne Informationen oder personenbezogene Daten Dritter genutzt werden. Kunden- oder Klientendaten gehören absolut nicht in facebook.
  • In Gruppen können Veranstaltungen eingestellt werden, zu denen von Haus aus nur die Mitglieder eingeladen werden. Die Einladungen lassen sich aber z.B. auch an “Mitglieder und deren Freunde” oder auch “öffentlich” versenden. Hier ist Vorsicht geboten, um nicht unabsichtlich eine der berüchtigten “facebook-Partys” zu erzeugen.
  • Über Aktivitäten in der Gruppe wird jedes Mitglied auf Wunsch informiert.

Hier noch ein Artikel zu Gruppen in facebook.

Halte deinen Feed sauber!

Auch wenn viele Nutzer sich darüber beschweren, dass ihre Newsfeeds in Twitter und facebook vor sinnlosen und nervigen Inhalten überquellen – letztlich ist jeder Nutzer ganz allein (!) schuld daran. Sie haben jederzeit die Möglichkeit, Freunde und Seiten wieder aus ihrem Newsfeed zu werfen. Man kann “gefällt mir”-Klicks zurücknehmen, Freundschaften beenden oder Leuten “entfolgen”. Daneben hat man bei facebook die Möglichkeit, Meldungen von bestimmten Nutzern, Seiten oder Anwendung auszublenden, aus Wunsch auch für immer. Auf diese Weise halte ich mein Feed frei von Meldungen irgendwelcher Social Games, die unheimlich nerven.

Das, was ich bei facebook, Twitter, tumblr, xing und in anderen Netzwerken sehe (vielleicht mit Ausnahme von Werbung) hängt direkt damit zusammen, mit welchen Nutzern und Inhalten (Seiten, Gruppen, Anwendungen) ich mich verbunden habe. Stelle ich fest, dass bestimmte Inhalte mich dauerhaft nerven, kann ich diese ausblenden oder die Verbindung beenden. Ich kann aus Gruppen austreten, Seiten mit “gefällt mir nicht mehr” markieren oder Anwendungen wieder deaktivieren.

Die Moral von der Geschichte: Nicht die anderen sind schuld, wenn man von deren Inhalten genervt ist, sondern man selbst.

Linksammlung zum Einstieg

Hallo erstmal,

ich habe Ihnen hier ein paar Videos und Links zusammengestellt, die als Einführung in den Themenkomplex „Social Media“ vielleicht helfen können.

Was ist überhaupt „Social Media“?

facebook-Freunde vs. echte Freunde

Was ist Twitter?

Diverse Studien zu Nutzerzahlen und mehr
http://www.socialmedia-institute.com/liste-der-wichtigsten-social-media-und-marketing-studien-2013/

Aktuelle Nutzerzahlen facebook
http://www.socialmediastatistik.de/facebook-erste-mal-offizielle-nutzerzahlen-fuer-deutschland/

Studien zu Social Media in Unternehmen
http://www.bitkom.org/de/publikationen/38338_72124.aspx

Hier noch ein paar Artikel zur Vertiefung. Diese müssen Sie nicht zwingend lesen, es könnte aber hilfreich sein.

Zur Bedeutung der Privatsphäre in Sozialen Netzwerken
http://www.sozialvernetzer.de/privatsphare-im-netz-oder-doch-post-privacy/

Social Media muss als Prozess verstanden werden
http://www.sozialvernetzer.de/social-media-ist-ein-fortlaufender-prozess/

Twitter – eine Einführung
http://www.sozialvernetzer.de/tweet%C2%B4s-anatomy-episode1-was-ist-twitter/

Das Netz vergisst nichts – Beispiel „Twitter“
http://www.sozialvernetzer.de/twitter-hat-ein-gutes-gedaechtnis/