Protokoll vom 22.04.2015

So, hier mal ein wenig Input zur Projektkonzeption, quasi als Nachtrag und Lerngrundlage. Damit beschäftigen wir uns auch weiterhin bis zur Klausur. Ist also total sinnvoll, das hier gelesen und verstanden zu haben.

Was muss bei der Konzeption von Social Media Projekten berücksichtigt werden?

Was ist/sind die konkrete/n Zielstellung/en der Kommunikation mittels Social Media?
Hierbei geht es darum zu definieren, welche Ziele erreicht werden sollen. Wichtig ist hierbei, dass Ziele so genau wie möglich definiert werden und messbar sind. So etwas wie: „Ich will meine Zielgruppe zukünftig auch über facebook erreichen.“ ist weder genau noch messbar. Hier muss konkretisiert werden, z.B. in diese Richtung: „Ich möchte innerhalb der Altergruppe 16 bis 25 über facebook in einem Jahr 500 Fans gewinnen, mit diesen pro Woche mindestens 20 Interaktionen haben und meine Inhalte an mindestens 1000 Personen wöchentlich verteilen.“ Das ist genau und messbar.

Welche Interessengruppen gibt es und was genau sind deren Interessen?
Achtung! Interessengruppen sind nicht dasselbe wie Zielgruppen! Zwar kann es hier Überlappungen geben, im Prinzip sind das aber getrennte Dinge. Interessengruppen (engl. stakeholder) sind all diejenigen, die irgendwie vom Projekt betroffen sind, ohne direkt die Zielgruppe sein zu müssen. Will ein Unternehmen z.B. Social Media zur Kommunikation an die Kunden etablieren, wären die Kunden die Zielgruppe. Klar. Der Chef, der Vorstand, der Personalrat, die Angestellten usw. wären in diesem Falle Interessengruppen, da sie alle mit dem Projekt zu tun haben, bzw. ein Interesse daran haben, dass es gut funktioniert. Oft prallen bei verschiedenen Interessengruppen Meinungen aufeinander, hier muss der Projektmanager dann versuchen, einen Konsens herzustellen.

Zielgruppen definieren und deren „Aufenthaltsorte“ und Kommunikationsgewohnheiten ermitteln
Zielgruppen müssen möglichst genau definiert und nach Altersstruktur, sozialem Hintergrund, ggf. Geschlecht etc. separiert werden. Hat man z.B. eine stark heterogene Zielgruppe, ist es nötig, Gruppen zu definieren, die man gezielt ansprechen kann. Diese Gruppierung könnte nach Alter, Geschlecht oder Interessen geschehen. Wichtig ist es zu klären, wo im Netz sich die Zielgruppen aufhalten. Es ist nämlich wenig sinnvoll, per Twitter zu kommunizieren, wenn meine Zielgruppe dieses Netzwerk kaum nutzt.

Welche Netzwerke erscheinen geeignet?
Neben der Analyse, wo sich meine Zielgruppen aufhalten, muss auch die interne Struktur meiner Firma die Kommunikation erlauben. Sich mittels Twitter an Kunden zu wenden funktioniert z.B. nicht wirklich, wenn jeder Tweet erst von drei Instanzen in der Firma abgesegnet werden muss und dann sieben Tage später veröffentlicht werden darf. Für Kundendienst wäre Twitter in so einem Unternehmen absolut ungeeignet.

Welche Inhalte sollen an welche Zielgruppe kommuniziert werden?
Ist herausgefunden worden, welche Zielgruppen man hat, muss überlegt werden, welche Inhalte denn für die einzelnen Zielgruppen von Interesse sind. An die Zielgruppe der 11 bis 13-Jährigen aktuelle Stellenangebote zu senden ist recht unsinnig, gleichfalls sind Einladungen zu Jugendveranstaltungen bei der Senioren-Zielgruppe eventuell etwas deplatziert.

Wie spreche ich die Zielgruppe „sprachlich“ und „bildlich“ an?
Verschiedene Zielgruppen erfordern unterschiedliche Ansprachen. Ob Siezen oder Duzen, ob jugendlich frisch oder eher seriös im Auftreten, hier muss darauf geachtet werden, buchstäblich den richtigen Ton zu treffen. Allein schon deshalb ist es kaum möglich, Jugendliche und Senioren über ein und dieselbe facebook-Seite anzusprechen.

Wer erstellt neue Inhalte? Gibt es ein Redaktionskonzept? Gibt es externe Quellen?
Social Media ist langfristige Kommunikation, daher muss ein Konzept redaktionell ebenso langfristig geplant werden. Hierbei sollte festgelegt werden, welche Art von Inhalten (Fachartikel, Videos, Bilder, kurze Stellungnahmen, geteilte Inhalte, externe Inhalte) in welcher Gewichtung und Häufigkeit verwendet bzw. produziert werden sollen. Der Ersteller der Inhalte muss nicht nur inhaltlich kompetent sein, sondern auch die Erlaubnis haben, auf eigene Faust Dinge ins Netz zu stellen. Bei externen Quellen (Blogs, Websites etc.) sollte nicht blindlings automatisch alles importiert, sondern lieber im Einzelfall geprüft werden. Sonst kann es vorkommen, dass man sich per Automatik über RSS-Import zweifelhafte Inhalte auf die eigene Seite holt.

Habe ich genug Personal für die redaktionelle Pflege?
Social Media ist kein Praktikantenjob, das habe ich schon mehrmals gesagt. Vielmehr muss es als Teil der regulären Kommunikation betrachtet und genauso ernst genommen werden. Social Media funktioniert dann am besten, wenn der Zuständige auch ein persönliches Interesse an dieser Kommunikationsform hat. Einfach einem Angestellten diese Aufgabe auf’s Auge zu drücken, führt meist nicht zum besten Ergebnis.

Welche Kanäle gibt es schon und wie lassen sich diese nutzen?
Bevor man sich voller Enthusiasmus auf facebook stürzt, sollte analysiert werden, ob es vielleicht an der Website etwas zu verbessern gibt, oder ob diese ggf. durch Social Plugins etc. aufgewertet werden kann. Ist schon ein Blog vorhanden, sollte dieses auf seine Wirkung untersucht werden, SEO-Maßnahmen können die Findbarkeit eigener Angebote verbessern, Websiteanalyse kann aufdecken, ob bspw. bestimmte Inhalte auf der eigenen Seite von Besuchern gar nicht gefunden werden. Die beste facebook-Seite nützt nichts, wenn sie zwar Kunden auf meine Homepage bringt, diese dort aber nichts finden und wieder verschwinden, ohne mein Produkt zu kaufen. Social Media kann nicht kompensieren, dass die anderen Kommunikationskanäle nicht vernünftig funktionieren.

Welche Risiken gibt es?
Was kann schlimmstenfalls passieren? Diese Frage muss gestellt werden. Shitstorms, Hackerangriffe, Cybermobbing etc. sind aktuelle Bedrohungen im Netz und man sollte sich damit auseinandersetzen, um nachher kein böses Erwachen zu erleben. Social Media Guidelines können Sicherheit schaffen, Fortbildung des Personals ebenso.

Wie hoch fällt der technische Aufwand aus? Welche Kosten entstehen hierbei?
Abhängig davon, wie komplex die Vernetzung z.B. zwischen Homepage und facebook sein soll (RSS-Feeds, Plugins etc.) muss geschätzt werden, welche finanziellen Aufwände hier entstehen. Je antiquierter die eigene Website ist, desto aufwändiger kann es sein, dort entsprechende Funktionen einzubauen. Insgesamt stellen die technischen Kosten jedoch meist nur einen sehr geringen Teil der Aufwände dar, verglichen mit der Planung.

Mehr Infos dazu unter: http://www.sozialvernetzer.de/gute-planung-ist-alles-auch-bei-social-media/

Filesharing vs. Streaming
(feat. „Wann ist welche Form davon ggf. strafbar?“)

Filesharing und Streaming unterscheiden sich zunächst technisch. Beim Filesharing wird alles, was ich herunterlade, automatisch anderen Nutzern ebenfalls (von mir, also von meinem Rechner aus!!!) zum Herunterladen angeboten. Jeder “Downloader” ist beim Filesharing (daher auch sharing: “teilen”) auch “Uploader”, also Anbieter von Inhalten. Und genau hier liegt der Hase im (juristischen) Pfeffer: Das Herunterladen von Inhalten allein ist noch nicht der strafrechtlich relevante Part, sondern vielmehr das Anbieten an andere Nutzer. Beim Streaming wird ein Inhalt nur auf meinen Rechner geladen und nicht als komplette Datei abgelegt (so wäre es beim Filesharing), gleichzeitig wird beim Streaming mein Download nicht anderen Nutzern verfügbar gemacht.

Auch Filesharing ist an sich nicht strafbar: Teile ich damit nur Inhalte, bei denen kein Urheberrecht verletzt wird, gibt es überhaupt kein Problem, auch nicht mit der Weitergabe an andere Nutzer. Man kann Filesharing dazu nutzen, z.B. Skripte zu Veranstaltungen oder dergleichen zu teilen. Nutzt man Filesharing ber zum Runterladen urheberrechtlich geschützter Filme, Bilder, Musik, Bücher oder was auch immer, macht man sich (wegen der gleichzeitigen Verfügbarmachung) strafbar. Beim Streaming geht die aktuelle Rechtssprechung davon aus, dass kein Straftatbestand vorliegt. Noch.

Was ist die „Filterblase“ und wie sollte man damit umgehen?

Mit der “Filterblase” haben wir uns mit dem Begriff “Ponyfarm” auseinandergesetzt. Je nachdem, in welche Suchmaschine ich den Begriff eingeben und ob ich dort eingeloggt bin, erhalte ich durchaus unterschiedliche Ergebnisse. Das liegt daran, dass Suchmaschinen wie Google versuchen, mir nur für mich relevante Inhalte zu zeigen, nicht die objektive Wahrheit (naja, die gibt’s sowieso nicht). Bin ich bei Google angemeldet, während ich suche, nutzt Google alle Informationen, die es über mich hat (und das sind sssseeeeeehhhhhrrrrr viele), um mir passende Ergebnisse anzuzeigen. Auch bing macht das (in Maßen), denn bing weiß zumindest, von wo ich mich ins Netz einlogge und was für einen Rechner ich verwende. Suchmaschinen wie duckduckgo behaupten hingegen, keinerlei Daten der Nutzer zu sammeln (offenbar noch nicht mal die IP-Adresse) und so kommt es dann, dass mir bei Google und bing auf der ersten Seite Ponyfarmen in Berlin und Brandenburg vorgeschlagen werden, bei duckduckgo jedoch irgendwas in den USA und nix aus Deutschland.

Die Filterblase hat aber auch Vorteile: Ich finde in der Regel schneller Inhalte, die mich betreffen oder interessieren. Je nachdem muss man entscheiden, ob man z.B. Google nutzt (Alltagssuche) oder doch eher duckduckgo (z.B. Suche nach politischen Inhalten). Man darf jedoch auf aller-gar-keinsten-Fall die Suchergebnisse von Google und schon gar nicht die von faecbook mit objektiven Ergebnissen verwechseln. Auch duckduckgo ist letztlich nicht völlig objektiv, denn irgendwie muss ja festgelegt werden, in welcher Reihenfolge die Ergebnisse angezeigt werden. Ich sehe also nirgends “alles”, was es im Netz gibt, zumindest nicht auf einer Seite.

Datenschutz vs. Datensicherheit

Hier ist der Unterschied wichtig. Beide Begriffe werden oft fast synonym verwendet, beschreiben aber *völlig* unterschiedliche Dinge. Facebook schlechten Datenschutz vorwerfen – kann man machen, schließlich weiß keiner genau, was die mit meinen Daten machen. Facebook schlechte Datensicherheit vorwerfen – kann man eher nicht machen. Denn: Datenschutz beschreibt den Umgang mit erhobenen Informationen (also die Erfassung, Auswertung, Weitergabe, den Verkauf, die Löschung), Datensicherheit hingegen die technischen und infrastrukturellen Maßnahmen zur Sicherung der Daten vor Verlust, Missbrauch und Diebstahl. Es ist also möglich, dass eine Firma sehr guten Datenschutz bescheinigt bekommt, dafür aber bei der Datensicherheit patzt oder umgekehrt. Ohne Datensicherheit gibt es allerdings in der Regel auch keinen Datenschutz.

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