Protokoll vom 13.04.2015

Heute und die ganze Woche ging/geht es um „Medienkompetenz„. Dabei zeigte sich heute, dass es gar nicht so einfach ist, diesen Begriff zu erklären, da er viele verschiedene Facetten umfasst.

Medienkompetenz, wie die Wikipedia sie versteht.
Ein anderer Versuch einer Erklärung, etwas weniger weit gefasst.

Medienkompetenz bezieht sich nicht allein auf das „Anwenden-Können“ von Diensten wie facebook oder Twitter, sondern vielmehr auf das Verständnis der diesen zugrunde liegenden Strukturen. Es geht auch um ein Verständnis für die Funktionsweisen moderner Kommunikation, ihre gesellschaftlichen Dimensionen und nicht zuletzt um die Herkunft der Technologie, die wir heute wie selbstverständlich einsetzen. Natürlich greift der allgemeine Begriff der Medienkompetenz auch die anderen Medien mit, im Rahmen unseres Kurses geht es aber hauptsächlich um das Internet, weniger um Film, Fernsehen, Musik oder Literatur.

In Zeiten von Musik-Streaming-Diensten wie Spotify und „Video-on-demand“-Plattformen wie Watchever hat das „Kaufen“ von Inhalten an Bedeutung verloren. An seine Stelle ist das „Mieten“ getreten. Derartige Entwicklungen sind nicht nur technisch (komplexe Dienste mit enormen Datenmengen, Hochgeschwindigkeits-Internet) und quantitativ (beinahe jeder Medieninhalt ist ohne Verzögerung verfügbar) spannend, sondern sie stellen vor allem die Wirtschaft vor eine große Aufgabe: Wie kann das Geflecht aus konventionellen Anbietern (Plattenladen, Elektronikmarkt, Amazon, iTunes …) gegen diese Dienste bestehen?

Das Nutzen Sozialer Netzwerke, die Verbindung dieser Dienste untereinander, die Wechselwirkungen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit stellen für jeden einzelnen Menschen ein Spannungsfeld dar, in dem er/sie sich zurecht finden muss. Neben den Herausforderungen, die die sich ständig weiter entwickelnde Technologie mit sich bringt (Stichwort: neues facebook-Design bei einem unserer Teilnehmer) muss jede/r auch ständig auf Angriffe aus dem „Cyberspace“ gefasst sein (Stichwort: Trojaner hinter vermeintlichen Michael Schumacher-Videos), sich mit „Cybermobbing“, möglichem Identitätsdiebstahl und weiteren Widrigkeiten auseinandersetzen.

Um dieser Herausforderungen und Bedrohungen Herr/Frau zu werden, ist Medienkompetenz vonnöten. Um einen Angriff durch Fake-Inhalte zu erkennen, muss ich zunächst wissen, dass es Menschen gibt, die sich einen Spaß daraus machen, Prominente vorzeitig für tot zu erklären und dergleichen. Um Cybermobbing bekämpfen zu können, muss ich zuerst verstehen, wie es dazu kommt und welchen Mechanismen es folgt. Um die wahren Hintergründe hinter einer „Wir schützen unsere Kinder!“-facebook-Seite zu ergründen, muss ich kritisch genug sein, auch einen Blick hinter die Fassade zu riskieren (und dort womöglich auf die NPD zu stoßen), bevor ich blindlings „gefällt mir“ klicke.

So, nach diesen ernsten Themen mal was zum Lachen, nämlich der „Spam“-Sketch von Monty Python. Und ja, der gehört zum Unterricht, erklärt sich doch daraus, woher der Begriff „Spam“ eigentlich stammt. Nach dem bizarren Intro mit den Blumen geht’s los.

Und hier noch etwas mehr Input, für alle die, denen das heute noch nicht genug war 😛 Einiges davon vertiefen wir noch.

  • Soziale Netzwerke funktionieren strukturell sehr ähnlich. Beinahe alle Vertreter weisen Funktionen zum Markieren von Inhalten („gefällt mir“, „interessant“, „tweet favorisieren“ usw.), zum Kommentieren bzw. Antworten („Kommentar schreiben“, „Antworten“ (bei Twitter)) und zum Weiterteilen von Inhalten auf („Teilen“ auf facebook, „retweet“ auf Twitter, „reblog“ auf tumblr usw.) Dabei unterscheiden sich die Funktionen zwar in der Benennung und ggf. in der Visualisierung (bei tumblr steigen z.B. rote Herzchen auf, wenn man etwas favorisiert), nicht aber in dem was sie tun. Das hat seinen Grund, denn die oben genannten Funktionen sind von großer Wichtigkeit für das Funktionieren Sozialer Netzwerke.
  • Alle Sozialen Netzwerke lassen sich untereinander verbinden.  So ist es z.B. möglich, Twitter-Inhalte zu facebook zu senden und umgekehrt, Bilder von pinterest in andere Netzwerke zu teilen, Beiträge auf xing direkt zu facebook und Twitter weiterzuleiten und so fort. Selbst für Dienste wie „Google Plus“, die derzeit von Hause aus keine Möglichkeit bieten, Inhalte von anderen Diensten automatisch zu importieren oder G+-Inhalte zu anderen Diensten zu exportieren gibt es Möglichkeiten, dies dennoch zu tun. So gibt es für den Chrome-Browser (der ja von Google stammt) eine Reihe von Erweiterungen, die es einem ermöglichen, seine Twitter- und facebook-Inhalte ebenfalls in Google Plus einzubinden. Die Verbindung Sozialer Netzwerke untereinander ist eine ihrer größten Stärken. So lassen sich sehr einfach Inhalte zwischen diesen Diensten austauschen, ohne dass man diese mehrmals schreiben müsste.
  • Inhalte von beinahe allen externen Seiten lassen sich ohne viel Mühe in facebook, Twitter, xing & Co. einbinden. Wie wir heute gesehen und selbst geübt haben, ist es in der Tat sehr einfach, Inhalte von z.B. youtube, Spiegel Online oder aus Blogs in facebook zu importieren. Dabei muss nur der Link eines Artikels kopiert und im „Was machst Du gerade?“-Feld bei facebook reinkopiert werden. Facebook macht dann den Rest (meistens zumindest) und fügt eine Vorschau zum geteilten Inhalt ein. Absenden und … fertig! So einfach ist das. Die Möglichkeit, mit sehr wenig Aufwand Artikel, Videos, Musik und mehr in facebook und andere Netzwerke einzubinden (nur einzubinden, nicht hochzuladen!) ist essentiell für deren Funktionieren. Müsste sich facebook z.B. nur darauf stützen, dass ausschließlich von Nutzern direkt selbst verfasste Inhalte das Netzwerk durchgeistern, wäre dort nicht einmal annähernd so viel los. Gerade das Einbinden von Videos (und es müssen nicht immer Monty Python-Sketche sein), Bildern und Musik bereichert die Netzwerke enorm. Nicht zuletzt deswegen sind Soziale Netzwerke für Firmen, Künstler usw. so interessant (siehe: https://www.facebook.com/rihanna mit ihren mehr als 82 Millionen Fans. So viele Einwohner hat Deutschland!), da die Fans mit bunten Bildern und mehr versorgt werden können.
  • „Fans“ holen sich die Werbebotschaft freiwillig ab. Es ist wohl der Traum eines jeden Marketing-Menschen: Die Zielgruppe muss nicht mit aufwändigen Kampagnen erst mal gefunden und dann bei Laune gehalten werden, um die Werbebotschaften aufzunehmen – sondern sie kommt ganz von allein und holt sich die Werbung bereitwillig selbst ab.
    Rechenbeispiel: Würden auch nur 1 Prozent (also jeder 100ste) der facebook-Fans von Rihanna im Jahr je 100 € ausgeben, um Musik, Fanartikel oder Konzertkarten zu kaufen (und allein die Konzertickets sind bekanntlich teuer), so wären das … na, Kopfrechnen? 1 Prozent von 80 Millionen sind 800.000. Das wiederum mal 100 € sind – schlappe 80 Millionen Euro. Jeder Fan ist also bares Geld wert.
  • Gruppen in facebook eignen sich gut für zielgerichtete Diskussionen. Abseits der Informationsflut von facebook kann man in Gruppen (die es in den drei Geschmacksrichtungen „offen“, „geschlossen“ und „geheim“ gibt) sehr gut im kleinen und mehr oder weniger privaten Kreis diskutieren, sich verabreden, Wissen austauschen usw. Natürlich haben personenbezogene Daten von Kunden, Klienten, Mitarbeitern oder Patienten auch in einer „geschlossenen“ oder „geheimen“ Gruppe nichts verloren. Immerhin werden die Daten nach wie vor in den USA gespeichert.
  • Inhalte, die in geschlossenen oder geheimen Gruppe erstellt werden, lassen sich nicht teilen. Wie heute demonstriert, lassen sich z.B. Bilder aus geschlossenen oder geheimen Gruppen nicht so teilen, dass Nicht-Mitglieder diese sehen können. Das ist durchaus sinnvoll. Teilt man einen Gruppeninhalt, z.B. auf die eigene Pinnwand, so sehen Nicht-Mitglieder der Gruppe nur „Anhang nicht verfügbar“.
  • Je nachdem, an welcher Stelle in facebook man sich befindet, kann man u.U. andere Inhalte erstellen. So können beispielsweise derzeit nur in Gruppen „Fragen“ gestellt und damit Umfragen unter den Mitgliedern gestartet werden. Auf dem eigenen Profil kann man z.B. „Orte“ an denen man sich befindet angeben oder „Lebensereignisse“ (wie Hochzeit, neue Arbeitsstelle etc.) hinzufügen. Wenn man das denn will. Auf einer Seite hat man hingegen die Möglichkeit, nicht nur Veranstaltungen, sondern auch Angebote zu erstellen, die die Fans direkt beanspruchen können. So kann eine Band beispielsweise mittels facebook direkt Konzertickets verkaufen.
  • Alles, was auf Twitter geschrieben wird, ist zunächst immer öffentlich. Es gibt zwar die Möglichkeit, den eigenen Account „zu schützen“ und damit alle eigenen Tweets unsichtbar zu machen, doch das war es dann auch mit den Privatsphäre-Einstellungen bei Twitter. Anders als bei facebook, xing oder Google Plus gibt es bei Twitter nur: „öffentlich für alle“ oder „nur für ausgewählte Kontakte sichtbar“. So etwas wie individuelle Freigaben pro Tweet (wie es ja bei facebook-Postings möglich ist, dort kann man pro Beitrag festlegen, wer diesen sehen darf) gibt es nicht bei Twitter. Alle eigenen Inhalte, alle „Retweets“ (Teilen anderer Tweets), alle „Replies“ (Antworten an andere Nutzer), alle „Mentions“ (Erwähnungen) sind generell öffentlich für alle Twitter-Nutzer und sogar für alle (!) Internetnutzer (!) weltweit sichtbar.
  • Hashtags (wie z.B. #medienkompetenz) sind eine Grundfunktion von Twitter und äußerst nützlich, um sich in Diskussionen einzubringen oder zu aktuellen Themen beizutragen. Hashtags sind nicht anderes als selbst definierte Suchbegriffe oder Schlagwörter. Jedes Wort kann mittels eines direkt davor gesetzten „#“-Symbols (hash) zu einem Hashtag gemacht werden. Hashtags lassen sich dann direkt anklicken und zeigen ein Suchergebnis nach anderen Tweets, die ebenfalls dieses Hashtag verwenden. In Echtzeit, wohlgemerkt.
  • Tweets lassen sich in Websites oder Blogs „einbetten“. In facebook funktioniert das aber z.B. nicht. Das sieht dann so aus:
  • Mittels RSS-Feeds (Artikellisten) lassen sich Inhalte von Blogs oder Websites automatisch (!) mit facebook oder z.B. xing teilen. Das bedeutet, dass jeder Inhalt, der in einem Blog geschrieben wird direkt danach auch zu facebook geteilt wird. Dazu lässt sich beispielsweise die Anwendung „RSS-Graffiti“ verwenden. Mehr dazu findet sich hier. Und hier.
  • Soziale Netzwerke eignen sich gut für aktuelle Diskussionen. Zum längerfristigen Speichern und Wiederfinden von Inhalten sind sie hingegen ungeeignet. Zwar bleiben die Inhalte sozialer Netzwerke quasi für immer gespeichert, das bedeutet aber noch lange nicht, dass man diese auch gut wiederfindet. Um über längere Zeit zu einem Thema zu diskutieren, sind Blogs oder Foren viel besser geeignet, als es facebook und Twitter je sein könnten. Nachhaltigkeit und Langfristigkeit sind nicht die Zielstellungen der Kommunikation in diesen Netzwerken, neue Inhalte verdrängen alte sehr schnell. Binnen weniger Minuten ist ein Tweet in meiner Twitter-Timeline so weit nach unten gerutscht, dass ich ihn nicht mehr sehe. Bei facebook ist es ähnlich. Und Getreu dem Motto: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? ist dann auch ebenso schnell vergessen, dass sich vor wenigen Monaten ganz Twitter über die #aufschrei-Brüderle-Sexismus-Debatte aufgeregt hatte. Was ist passiert? Nichts. Die Aufregung war so schnell weg, wie sie gekommen war. Wenn es in den normalen Medien ca. sechs Wochen dauert, bis ein Thema wieder aus den Schlagzeilen und damit aus den Köpfen verschwunden ist, so dauert es bei Twitter (etwas überspitzt) sechs Tage.
  • Wir haben uns „Ghostery“ als Plugin für den Browser angeschaut, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Tracker im Hintergrund von Websites agieren. Spitzenreiter war heute bild.de mit 49 Trackern. Wer bietet mehr?
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