Protokoll vom 22.01.2015

Hier nun also das Protokoll von heute und quasi von gestern.

Crowdfunding
Wir haben uns mit einer verhältnismäßig neuen Form der Finanzierung von Entwicklungen, Projekten oder Medien beschäftigt. Beim Crowdfunding werden finanzielle Mittel nicht von Großinvestoren wie Publishern eingesammelt, sondern von „ganz normalen“ Menschen da draußen. Bemerkenswert hieran ist, dass aus Sicht des Projektmanagements die Grenzen zwischen Zielgruppen und Stakeholdern verschwimmen bzw. überhaupt nicht mehr existieren. Jeder „Backer“ eines Projekts auf kickstarter, startnext oder betterplace ist theoretisch sowohl Zielgruppe (Beispiel: Computerspiel „Star Citizen“) als auch Stakeholder, der an der Gestaltung des Projekts beteiligt ist und am Erfolg dessen interessiert ist.

Rechtliche Grundlagen
Hier noch mal ein Überblick über die rechtlichen Grundlagen, die u.a. für Webprojekte berücksichtigt werden müssen.

Telemediengesetz
Das TMG regelt quasi alles, was man als Anbieter von Telemedien berücksichtigen muss. Hier die etwas kompaktere Erklärung bei Wikipedia.

Impressumpflicht
Teil des TMG ist die Pflicht zur “Anbieterkennzeichnung“. Gemeint ist damit ein Impressum, das je nach Rechtsform bestimmte fest definierte Informationen enthalten muss. Für Freiberufler muss da nur wenig drinstehen, bei größeren Firmen schon erheblich mehr. Wichtig: Die Impressumpflicht trifft unter Umständen auch auf Websites, Blogs oder Social Media-Präsenzen zu, die man vermeintlich nur “privat” nutzt. Wer z.B. mit einem kostenlosen WordPress-Blog arbeitet, sollte definitiv ein Impressum haben, da dort Werbung angezeigt wird. Details dazu im verlinkten Artikel.

Bundesdatenschutzgesetz
Das BDSG regelt den Umgang mit personenbezogenen Daten und enthält weitreichende Vorschriften, wie die Erfassung und Verarbeitung derartiger Daten zu erfolgen hat. Das BDSG ist zwar ein Bundesgesetz, die konkrete Auslegung obliegt aber den Ländern. Daher ist die Rechtslage teils je Bundesland verschieden. Hier sind insbesondere §3 (Datensparsamkeit und Datenvermeidung) sowie $4 (Zulässigkeit der Erhebung und Verarbeitung von Daten) sowie §9 (Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen) zu beachten.

Recht am eigenen Bild
Werde ich fotografiert und bin als Einzelperson deutlich zu erkennen, so greift mein “Recht am eigenen Bild”, das es mir gestattet, über die Verwendung des Bildes zu bestimmen. Ausnahmen sind z.B. wenn ich prominent bin, für die Aufnahme explizit bezahlt wurde oder nur Teil einer Menschenmenge (z.B. bei einem Emilie Autumn-Konzert) bin. Ja, ich finde immer einen Weg, meine Lieblingskünstlerin zu erwähnen.

Urheberrecht
Das Urheberrecht an einem künstlerischen Inhalt hat immer der … naja, der Urheber. Egal, was mit dem Werk dann geschieht – das Urheberrecht kann nur durch den eigenen Tod z.B. an die eigenen Erben übertragen werden. Eine andere Möglichkeit der Übertragung oder des Verkaufs besteht nicht. Natürlich können an einem Werk aber “Nutzungsrechte” eingeräumt werden, siehe facebook. Hier die Wikipedia-Version.

Vermeidung von Spam
Dies ist Teil des TMG. Jeder Betreiber von Telemediendiensten muss Spam (also unerwünschte Werbung) vermeiden. Nutzern des eigenen Angebots darf nicht ohne deren Zustimmung z.B. ein Newsletter zugesandt werden. Gleichzeitig muss geprüft werden, dass der eigene Server nicht von Schadsoftware infiltriert wurde und als Teil eines Botnetzes missbraucht wird zum Versand von Spam.

Löschpflicht bei rechtswidrigen Inhalten
Als Betreiber eines Online-Angebots (z.B. auch einer facebook-Seite) ist man verantwortlich dafür, was dort an Inhalten zu lesen, zu sehen oder zu hören ist. Das gilt auch für Inhalte von Nutzern! Kommentare mit rechtswidrigen Inhalten müssen so schnell wie möglich gelöscht werden. Zwar ist z.B. ein Internetprovider nicht dafür verantwortlich, was Nutzer mit ihren DSL-Verbindungen anstellen, aber das trifft nicht auf Betreiber von Foren, Blogs oder eben facebook-Seiten zu.

Wettbewerbsrecht
Das Wettbewerbsrecht gilt on- und offline gleichermaßen. Im Online-Bereich bezieht es sich z.B. auf Werbung, die bei facebook gemacht wird (hier müssen z.B. bei Auto-Werbung dieselben Dinge berücksichtigt werden wie offline, also z.B. Angaben zum Kraftstoffverbrauch) und auch auf z.B. das Kaufen von Fans, was als “unlauterer Wettbewerb” aufgefasst werden kann.

AGBs der genutzten Online-Dienste
Zusätzlich zum Wettbewerbsrecht ist es ABSOLUT NOTWENDIG, sich mit den speziellen AGBs der genutzten Netzwerke vertraut zu machen. Als Seitenbetreiber bei facebook, der Gewinnspiele durchführen oder Werbung schalten will, ist das ebenso wichtig, wie als Blogger, der Bilder z.B. von pixelio verwenden möchte. Wir erinnern uns: Bei pixelio-Bildern muss seit kurzem *direkt im Bild* der Urheber genannt werden. Absurd, aber so will es die aktuelle Rechtssprechung.

Apps in facebook
Oftmals werden eigene “Apps” eingesetzt um den Besucher mit z.B. kreativen Gestaltungsmöglichkeiten oder einem interaktiven Comic (gab’s mal bei Axe) zur Teilnahme (und damit zur Datenübermittlung und zur Weitergabe an eigene Freunde!) zu animieren. Wird von einem Nutzer vor Benutzung der App erst ein “gefällt mir”-Klick verlangt, spricht man von einem Fan-Gate. Aus meiner Sicht keine sinnvolle Strategie, sondern Erpressung, aber das ist nur meine Meinung.

Apps sind dabei keine Inhalte von facebook, sondern stammen vom Betreiber der Seite, also der werbenden Firma. Deshalb (und nur! deshalb) wollen die Apps auch Zugriff auf meine Profildaten – facebook selbst hat diesen ja bereits. Die Inhalte einer App liegen auf einem externen Server und werden vom Anbieter des Gewinnspiels ausgewertet, nicht von facebook.

Letztlich haben die meisten Apps das Ziel, Informationen über ihre Nutzer direkt an den Anbieter der App weiterzutragen. Sie werden oftmals als reine Werbeplattformen verstanden, nur wenige Apps (z.B. das Spendenformular von Betterplace) bieten einen tatsächlichen Mehrwert. Um eine App zu betreiben, kann quasi jede externe Website verwendet werden, sofern deren Inhalte per SSL verschlüsselt ausgeliefert werden. Es wäre z.B. möglich, die Impressum-Seite der eigenen Website als App in facebook einzuklinken.

E-Mailmarketing
Es ging also um “Newsletter”, deren Zweck, Bedeutung und Aufbau. Wir haben uns eine Reihe von Best-Practice-Tipps angeschaut.

Dabei ging es primär darum, dass ein Newsletter immer ein konkretes (!) Ziel haben sollte. Aktivierung der Zielgruppe, Informationsvermittlung, emotionale Ansprache – das sind im Kern die wichtigsten Funktionen eines Newsletters.

Rechtlich ist zu beachten, dass NLs nur an Personen verschickt werden dürfen, die dem zugestimmt haben. So ist es im Bundesdatenschutzgesetz geregelt. Es ist demnach nicht erlaubt, Newsletter an Personen zu verschicken, die nicht darüber informiert wurden, dass ihre personenbezogenen Daten dafür verwendet werden sollen.

Als Anbieter von Webangeboten und damit auch Newslettern ist man dafür verantwortlich, keinen Spam zu produzieren bzw. es Angreifern nicht zu ermöglichen, die eigene Website zu infizieren.

Für den Anbieter von Newsletterdiensten gilt selbstverständlich das Telemediengesetz und alles, was damit zusammenhängt. Dort ist unter anderem geregelt, dass immer ein Abmelde-Link im NL enthalten sein muss, dass ein Impressum drin sein muss etc.

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